Sang aus Iserwäldern in den Buchläden

12. 11. 2021

Ein weiteres, überaus interessantes Buch, herausgegeben vom „Haus der tschechisch-deutschen Verständigung“ Jablonec nad Nisou/Rýnovice (Gablonz/Reinowitz), gelangte in diesen Tagen auch in die Buchläden unserer Region. Dabei handelt es sich um einen zweisprachigen Bildband mit Fotos des weit über die Grenzen der nordböhmischen Neißestadt bekannten Autors Siegfried Weiss und Gedichten des bereits verstorbenen erfolgreichen Wintersportlers, Bergsteigers und Dichters Rudolf Kauschka. Der besondere Reiz liegt zweifellos darin, hier zwei auf den ersten Blick recht unterschiedliche Charaktere in einem Buch zu vereinen. Doch haben beide sehr viel gemeinsam.

 

Da sind natürlich zuerst ihre sudetendeutschen Wurzeln zu nennen. An gleicher Stelle aber muss die, beiden Männern eigene tiefe Liebe zu ihrer nordböhmischen Heimat genannt werden. Mit dem nun vorliegenden Buch sollen sie selbst anhand ihres Schaffens den Menschen beiderseits der Neiße und des Lausitzer/Zittauer Gebirges vorgestellt und nahegebracht werden. Dazu hat Siegfried Weiss neben seinen eigenen, stimmungsvollen Fotos eine Auswahl von Kauschkas Gedichtsammlung sehr feinfühlig dichterisch ins Tschechische übersetzt, so dass deren Sinn voll und ganz erhalten blieb. Die Idee dazu entstand, als er 2007 in Kempten die Tochter Kauschkas persönlich kennenlernte und sie um Erlaubnis bat, die ihm gern gewährt wurde.

 

Der 1883 im heute nicht mehr existierenden Grenzdorf Fugau im Schluckenauer Zipfel geborene Rudolf Kauschka zum Beispiel dürfte in Deutschland wohl vor allem Insidern der Bergsteigerszene ein Begriff sein. Aber auch in Nordböhmen verknüpft man mit diesem Namen vorrangig seinen Sieg bei den allerersten Europa-Meisterschaften im Rennrodeln, die 1914 am Jeschken ausgetragen wurden, sowie einige nach ihm benannte Klettergipfel und Routen. Dass er darüber hinaus viele Eindrücke, die er dabei gewann, in Gedichte fasste und so seinen innersten Gefühlen Ausdruck verlieh, war aber ein ganz entscheidender Aspekt seines wechselvollen Lebens. Das fand viele Jahre nach der Vertreibung im April 1960 in Kempten ein plötzliches Ende. Obwohl er auch im Alter noch körperlich sehr aktiv war, verstarb er während der Rückkehr von einer anspruchsvollen Bergtour im Autobus.

Der 88-jährige Siegfried Weiss dürfte vor allem den Wander- und Naturfreunden im Dreiländereck längst ein Begriff sein. Sicher liegt das maßgeblich an seinen, auch in deutscher Sprache erschienenen Bildbänden. Er ist ebenfalls viel mehr als nur ein populärer Autor, sondern ein echtes Multitalent – Fotograf, Musiker, Dichter und vor allem exzellenter Kenner der heimatlichen Bergwelt. Sein Credo ist es stets, den Menschen die ungewöhnliche Vielfalt und Schönheit seiner Heimat  nahe zu bringen.

Mit dem neuesten Buchprojekt verbindet sich somit gleichzeitig ein weiterer Schritt des gegenseitigen Kennenlernens und Verständnisses füreinander. Ein Anliegen also, was es unbedingt zu unterstützen gilt.

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